myluzi

mein Leben mit Luzi

Conny vs. Luzi = 4:1

Endlich.
Endlich fühl ich mich besser.
Es war eine anstrengende und schmerzhafte Woche, trotz Schmerzmitteln.
Jedoch waren sie diesmal nicht ganz so heftig, wie beim letzten Mal.
An Schlaf war trotzdem kaum zu denken, dank meiner  halbstündigen Schweissausbrüche.
Wie soll das erst werden, wenn ich mit der Hormontherapie anfange ???
Meine Füße haben es diesmal sehr gut überstanden. Ich spüre zumindest keine Veränderung.
Ok, es ist auch nicht wirklich besser geworden, aber das Wichtigste ist doch, dass es nicht schlimmer geworden ist.
Die schlimmsten Schmerzen waren auch diesmal die im Mund. Es war furchtbar.
Selbst das Lutschen von Salbei-Eiswürfeln brachte keine Milderung. Darum hatte ich fast die ganze Nacht über ein Salbeibonbon im Mund.
Es half ein wenig und dadurch, dass die Zunge ja anschwoll, bestand auch keine Gefahr, dass ich es verschlucken konnte.
Mir ist aufgefallen, dass mir Ibuprofen mittlerweile nur noch hilft, um Fieber zu senken, jedoch nicht bei Schmerzen.
Hab auch meine Tilidintropfen benutzt, dadurch waren die Schmerzen im Mund erträglicher. Doch leider gehen die auch voll auf den Kreislauf….Teufelskreis.
Heute geht es allerdings schon besser, die weißen Pocken in meinem Mund werden immer weniger und ich kann wenigstens ein wenig Kaffee trinken, ohne dass es mich würgt.
Ich kann mir gut vorstellen, bis wohin diese Pocken gehen, denn dem Gefühl nach reichen sie mind. bis zur Speiseröhre.
Himmel ist das alles eklig.

Mein Chemogesicht war diesmal auch nicht von schlechten Eltern.
Als ich am Mittwochmorgen aufstand und ins Bad ging, um mich fürs Krankenhaus fertig zu machen, bin ich total erschrocken.
Ich sah aus wie Quasimodo, nur ohne Buckel.
Meine rechte Gesichtshälfte war fast doppelt so dick wie die linke und die war schon aufs Maximum geschwollen.
Ich hatte keine Konturen mehr, ein Übergang zum Hals war gerade noch zu erahnen.
Es war schrecklich und ich war auch noch nicht richtig auf den Beinen.
Im Krankenhaus angekommen, hieß es wie immer erst mal warten.
Als ob man nichts Besseres zu tun hätte. Ich bin fast auf dem Stuhl eingeschlafen, fühlte mich unwohl…
Obwohl meine Leukos bei 2.200 lagen wurde ich gespritzt.
Das Neupogen wurde abgeschafft und nun durch ein neues Mittel namens Granozyte ersetzt.
Der Vorteil an dem neuen Mittel ist wohl der, dass er nicht mehr im Kühlschrank aufbewahrt werden muß, da man es sich selbst anmischt.
Ganz toll. Hab dann nämlich auch gleich eine mitbekommen, um sie mir am Donnerstag selbst zu setzen.
Nun hatte ich wieder voll das „Fixerbesteck“ zu Hause.
Eine vorgefüllte Spritze, eine Durchstechflasche mit Pulver, zwei Nadeln in verschiedenen Größen (eine dicke und eine dünne).
Ok, mittlerweile hab ich ja Übung im Umgang mit Spritzen, trotzdem hab ich jedesmal ein Aber davor, sie anschliessend zu entsorgen.
Vorteil am neuen Mittel…ich hab es besser vertragen, als das Neupogen.
Sprich, ich hab kein Fieber nach der 2. Spritze bekommen. Gestern war ich wieder zur Blutabnahme.
Es hat nicht auf Anhieb geklappt, an meinem Arm konnte man keine Adern sehen (kann man selten), so mußte sie wieder blind stechen und auf Suche gehen.
Erfühlen konnte sie leider auch keine Ader, da ich immer noch total aufgeschwemmt bin. Kann aber auch nicht anders sein, wenn ich kaum was trinken kann.
Ihre Suche wurde schmerzhaft beendet und heute hab ich einen kleinen blauen Fleck.
Aber hey, mittlerweile muß man mich zum Blutabnehmen nicht mehr flach legen, es klappt nun auch im Sitzen und als ich aus Versehen rüberblickte und die Nadel in meinem Arm stecken sah, wurde mir auch nicht schlecht bzw bin nicht umgekippt 🙂
Meine Leukos sind nur auf 2.600 gestiegen.
Da wurde ich doch glatt nochmal gespritzt (der Hersteller rät dazu, so lange zu spritzen, bis die Leukos bei 5.000 liegen – der hat sie doch nicht alle).
Na die hat gewirkt und war meiner Meinung nach total überflüssig, da mein Körper schon am Produzieren von Leukos war (hatte morgens vor der Spritze schon Schmerzen in der Wirbelsäule). Es kam, was kommen mußte. Am späten Nachmittag fingen die qualvollen Schmerzen an. Vom Steißbein bis hoch zu den Brustwirbeln.
Jedoch kein Fieber.
Wahrscheinlich bekomm ich das nicht, da ich eh ständig diese Schweissausbrüche hab…wer weiß ?
Dieses Mal hab ich auch mal angemerkt, dass der 6. Tag nach der Chemo einfach zu früh ist, um ins Krankenhaus zu kommen.
Da es einem da ja immer noch so was von schlecht geht.
Doch das wird jetzt wohl auch geändert und da ich mich selbst spritzen kann, wird es das nächste Mal so ablaufen, dass ich ein paar Spritzen mit nach Hause bekomme, mich dann dort am 6. Tag nach der Chemo das erste Mal spritze und dann erst am 8. oder 9. Tag nach der Chemo zur Blutabnahme muß.
Mir tun die Leute leid, die sich nicht selbst spritzen können, denn die müssen dann weiterhin kommen und zur Not dann auch jeden Tag…

So und genau jetzt fangen meine Zweifel an.
Ich weiß nicht, ob ich mir die 6. Chemo geben lasse. Ich bin total im Zwiespalt.
Klar denken sich jetzt viele „die Alte hat doch nen Knall, jetzt hat sie 5 Chemos überstanden und will die letzte nicht mehr durchziehen
Doch glaubt mir, das ist keine Überlegung aus dem Bauch raus oder weils mir schlecht geht – nein.
Mir gehts ja mittlerweile besser und jetzt fangen die Tage an, an denen ich wieder Kraft und neuen Mut tanke für die nächste Chemo, doch diesmal ist es anders.
Ich werde versuchen, meine wirren Gedanken nieder zu schreiben. Vielleicht kann es mir jemand nachvollziehen, denn augenblicklich weiß ich wirklich nicht, was ich machen soll.
Und Worte wie „da mußt du durch„, „wird schon„, „komm, noch eine„, „du kannst doch jetzt nicht aufgeben“ kann ich nicht mehr hören, die hab ich mir oft genug selbst eingeredet.
Ich habe Zweifel daran, ob ich wirklich das Richtige tue.
Denn in meinen Augen ist das, was ich tue irgendwie kontraproduktiv.
Ich unterziehe mich der Chemo, wirke der Ursache jedoch nicht entgegen – sprich der Hormonproduktion.
Mein Körper produziert weiterhin fleißig Hormone, wodurch Luzi genug Nahrung bekommt, dadurch ist sie ja auch nicht so sehr geschrumpft, wie erhofft.
Was bringt mir die Chemo dann ?
Wäre es nicht sinnvoller, die Hormonproduktion erst zu stoppen, bevor man mit der Chemo beginnt ?
So dass ein weiterer Wachstum schon mal ausgeschlossen und dann erst mit dem Angriff begonnen wird ?
Dass beides nicht zum gleichen Zeitpunkt geschehen kann ist mir schon klar, da es zu viel für den Körper wäre.
Wird die Nahrung jedoch entzogen, kann doch selbst auch ein schnellwachsender Tumor nicht größer werden…oder ?
Hab ich da einen Denkfehler ?
Oder ist es die typische Angst davor, da es jetzt dem Ende zu geht und ich mir insgeheim die Frage stelle „was dann ?“
Denn ja, was geschieht nach der Chemo mit Luzi ?
3-4 Wochen nach der letzten Chemo wird sie operativ entfernt und je nachdem, wie sie geschrumpft ist, auch ein großer Teil meiner Brust (mittlerweile hab ich mich damit abgefunden…schweren Herzens). Erst 4-6 Wochen nach der OP werde ich mit der Hormontherapie anfangen.
Was geschieht jedoch in diesen 4-6 Wochen ?
Mein Körper produziert in der Zeit weiterhin Hormone, sprich Nahrung für evtl. Krebszellen.
Ich bin total verwirrt und das bin ich äußerst selten.
Ich denke, ich werde am Montag um ein Gespräch bitten, damit ich diese Fragen aus dem Weg räumen kann und evtl. sollte dann nochmal ein Sono gemacht werden, um nachzuschauen, ob Luzi weiterhin schrumpft.
Denn im Augenblick bin ich wirklich fest davon überzeugt, die 6. Chemo nicht machen zu lassen…

Neben all meinen Zweifeln und Fragen ist diese Woche natürlich auch etwas Erfreuliches vorgefallen.
Ich habe einen wunderschönen Blumenstrauß von meiner Firma bekommen – vielen lieben Dank an all meine Kolleginnen und Kollegen !
Ihr habt mir eine große Freude damit bereitet.
Es gibt mir sehr viel Kraft und Mut, zu wissen, dass ihr an mich denkt und mich nicht vergessen habt !

Oh je…na das ist heute aber ein langer Eintrag geworden, aber mir war einfach danach.
Ich wünsch euch Allen noch einen schönen sonnigen Tag und ein wunderschönes Wochenende !

Eure Conny

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2 Antworten zu “Conny vs. Luzi = 4:1

  1. Heide Februar 27, 2011 um 11:12

    Hallo Conny,
    ich hab mir schon gedacht, dass Du eine bescheidene Woche hattest.
    Wie ich Deinem Eintrag entnommen habe, bist Du ja jetzt wieder aufgetaucht. Zu Deinen Zweifeln wegen Deiner 6.Chemo habe ich leider keine Idee, das wirst Du mit Deinen Ärzten entscheiden müssen.
    Kannst Du mir mal bei Gelegenheit erläutern, wie Dein Hormonhaushalt mit Deinem Krebs zusammen hängt?
    Falls Du bei Deiner Hormontherapie etwas vergleichbares wie die Wechseljahre erlebst, kann ich Dir nur sagen, ich bin miitendrin und es ist nicht sehr schlimm. Meistens habe ich nachts mal Schweißausbrüche. Das blödeste ist, dass ich dabei aufwache und dann am Morgen manchmal nicht richtig ausgeschlafen bin. Da gehe ich halt am nächsten Tag früher ins Bett. Wie ich schon gelesen habe, ist es anderen Frauen peinlich, wenn sie in der Öffentlichkeit zu schwitzen anfangen. Finde ich nicht, es ist ja normal und scheint ja alle mehr oder minder zu treffen. Ich finde auch nicht, dass es mich alt und hässlich macht, es ist einfach normal; aber ich bin da vielleicht nicht repräsentativ, es kümmert mich sowieso nicht übermäßig viel, was man von mir denken könnte.
    Einen schönen (verregneten?) Sonntag und alles Liebe,
    Heide

    • myluzi März 1, 2011 um 21:03

      Hallo Heide,
      das mit Zusammenhang werde ich dir dann bei Gelegenheit gerne erklären 😉
      Durch diese Hormontherapie wird genau das erzielt, ich werde vorzeitig für den Zeitraum von 5 Jahren in die Wechseljahre geschickt. Und soweit ich mich informiert habe, werden die Schweissausbrüche nicht die einzige Nebenwirkung sein, die ich dadurch bekommen werde.
      Aber das werde ich ja dann sehen, wenns los geht.
      Lust hab ich jedenfalls mal absolut keine dazu, aber was muß, das muß….
      glg
      Conny

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